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Jana Renée Friesová Berührende Erinnerungen an Theresienstadt. Die Überlebende Jana Renée Friesová stellte ihre Autobiografie „Festung meiner Jugend“ vor. Beim letzten Mal entgeht die 17-jährige Jana Renée Friesová dem Transport von Theresienstadt nach Auschwitz nur dank der Tollkühnheit ihrer Mutter. Im Herbst 1944 läßt der Kommandant dieses Sammel- und Durchgangslagers wieder rund 1500 Menschen antreten. Als er die Reihen abschreitet, riskiert die Mutter etwas in dieser Situation Wahnwitziges: Sie stößt die Tochter nach vorn, spricht den Lagerkommandanten in bestem Hochdeutsch an, das sie als Tschechin in der Schule gelernt hat. Die Tochter habe ein schlimmes Geschwür an der Hand, sei nicht transportfähig, sie als Mutter müsse sie pflegen. Einen Moment lang weiß niemand, was nun passieren wird. Dann schickt sie der SS-Mann beiseite. Es ist die Rettung vor dem sicheren Tod. Erlebnisse wie dieses schildert die 1927 in einem tschechischen Dorf als Johanna Renée Fries Geborene, Kind deutsch-tschechischer Eltern mit jüdischen Vorfahren, in dem Buch „Festung meiner Jugend“. Nach Ausgaben in tschechisch und englisch ist es jetzt auf deutsch erschienen, übersetzt von Werner Imhof, der sich in der Zeitzeugen-Arbeit mit Schülern engagiert. Als die Autorin und die Herausgeber von der Brücke/Most-Stiftung das Buch vorstellten, war die Brücke-Villa bis auf den letzten Platz gefüllt. Friesová und ihre Mutter gehören zu jenen 14 000 Menschen, die Theresienstadt überlebten. Ein Zehntel der insgesamt 141 000 hier Internierten, wie Professor Helmut Köser, Vorsitzender der Brücke/Most-Stiftung, in seiner Einführung darlegte. Die 4000 Einwohner der Festungsstadt wurden umgesiedelt, an ihrer Stelle drängten sich zeitweise bis zu 70 000 Menschen in qualvoller Enge. Diese Zwischenstation auf dem Weg in den Tod versuchten die Nationalsozialisten mit dem Propaganda-Streifen „Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“ – die Beteiligten gaben ihm den sarkastischen Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ – umzulügen in eine Art Kurort. Wie selbst die Betroffenen sich an diese Lüge klammerten, weil sie einen Funken Hoffnung verhieß, auch das schildert Jana Renée Friesová in ihrem Buch: Etliche der deportierten Juden reisten im Anzug und guten Kleid an, bestanden auf dem Hotelzimmer, das man ihnen zugesichert hatte. Friesová hat ihre Autobiographie als aufmerksame Beobachterin all dessen geschrieben, was dort um sie herum geschah. Sehr detailgenau, in einprägsamen und tief berührenden Szenen erzählt sie von Menschen in einer unmenschlichen Ausnahmesituation. Sie macht das Unvorstellbare vorstellbar, soweit man das überhaupt kann. Und sie schildert Momente des Humanen mitten in der Vernichtungsmaschinerie: In einem muffigen Keller probt ein Chor, dessen Sänger wenig später nach Auschwitz transportiert werden; Pädagogen vermitteln in ihrem Unterricht menschliche Werte an Kinder, von denen die meisten in den Gaskammern umkommen. Erste Notizen hat sich Jana Renée Friesová schon vor 30 Jahren gemacht. Bis sie alles aus ihrer Zeit in Theresienstadt von 1942 bis 1945 aufschrieb, hat sie lange gewartet. „Meine Tochter hat mich gedrängt. Sie wollte es wissen.“ Diese Tochter, Lenka Lichtenberg, sang zum Abschluß der Lesung die Theresienstädter Hymne. Deren Strophen erzählen von der Hoffnung auf Rückkehr nach Hause. Ihr Verfasser ist in Auschwitz umgekommen.
Thomas Gärtner in: „Dresdner Neueste Nachrichten“, am 3. November 2004.
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