| Herma Kennel
BergersDorf
Eine vorzüglich gelungene Symbiose von Roman und
Sachbuch, authentisch und zugleich spannend. Die einzelnen Fakten sind
mit Quellenhinweisen belegt, wie es sich für ein wissenschaftliches
Werk gehört, und dennoch ist die Handlung spannend und ergreifend.
Geschrieben ohne jede Schuldzuweisung, trägt der Tatsachenroman ganz
sicher zur Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Vergangenheit bei –
zumindest bei denen, die guten Willens sind, aber leider gibt es immer
noch Betonköpfe auf beiden Seiten.
Nicht nur für die dort ehemals Beheimateten, sondern für alle,
die versuchen zu verstehen, was damals geschah, und wie „das“
damals geschehen konnte.
"www.buechervielfrass.de", am 2. Juni 2003

Das Buch schildert ohne Schuldzuweisungen bedrückende
Fakten. Es ergreift nicht Partei für Tschechen oder Deutsche, sondern
für Opfer – die deutschen, aber auch die tschechischen. Der
Verdienst des Buches liegt darin daß das Leben in diesen Jahren
auch für die Generationen, die diese schwere Zeit nicht selbst durchmachen
mußen, dokumentiert wird. Deshalb ist es nicht nur für uns
Ältere, sondern auch für die Jüngeren lesenswert.
"Mährischer Grenzbote", im April 2003

Geschichte einmal anders. Auf halbem
Weg zwischen Prag und Wien, an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren
liegt die Stadt Iglau. Die sanft geschwungenen Hügel des Böhmisch-Mährischen
Höhenzugs mit seinen Feldern, Wiesen und Wäldern scheiden Bäche
und Flüsse: Die im Norden des Landkreises Iglau fließen in
die Moldau und dann in die Elbe, der Fluß Igla trägt das Wasser
Richtung Süden, wo es schließlich in die Donau mündet."
Herma Kennel führt den Leser in die Region um die Iglauer Sprachinsel
und setzt den Fokus auf das Jahr 1939. Am 15. März marschiert Hitlers
Wehrmacht in Iglau ein. Ein Kurier verbreitet die Nachricht im nahe gelegenen
Bergersdorf, wo sie mit Begeisterung vernommen wird. Denn in dem tschechischen
Dorf gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte zwischen
den deutschen und den tschechischen Bewohnern. "Wir sind frei! Wir
sind frei! Die Fahnen heraus!", ist aus den Häusern zu hören.
Kurz darauf wird ein Attentat auf Adolf Hitler vereitelt. Es kommt zu
Verhaftungen und ersten Angriffen auf jüdische Einrichtungen. Gottlob
Berger, Chef des SS-Hauptamtes kommt aus Berlin zu Besuch und macht Bergersdorf
zu "seinem" Dorf. Die Bewohner stellen hohe Erwartungen an die
neuen Machthaber und sind überzeugt, guten Zeiten entgegenzugehen.
Viele von ihnen melden sich sogar freiwillig zum Dienst an der Front.
Im Laufe des Krieges jedoch ändert sich die Situation. Euphorie schlägt
in Missmut um, Freude in Leid. Mütter trauern um ihre toten Söhne
und kein Bergersdorfer kann sich den herrschenden Zuständen entziehen.
Bis zuletzt wird der Sieg propagiert. Doch plötzlich geht alles sehr
schnell. Der Krieg ist zu Ende. Russen und Rumänen besetzen Dörfer
auf der Iglauer Sprachinsel - und es kommt zur Katastrophe.
Der Roman von Herma Kennel basiert auf Tatsachen. "Ich wollte Geschichte
in Form einer spannenden Geschichte erzählen", so die Autorin,
die für ihre Aufzeichnungen umfangreiches Material in verschiedenen
Archiven gesichtet hat. Außerdem befragte sie Zeitzeugen aus Deutschland,
Österreich und der Tschechischen Republik. Das Resultat ist ein dokumentarischer
Roman, der durch die aktuelle Diskussion um die Benesch-Dekrete eine besondere
Relevanz bekommt.
Historisch und sprachlich genau beschreibt Herma Kennel die langsam fortschreitende,
erschütternde Entwicklung auf der Iglauer Sprachinsel in den Jahren
1939-1945. In ihrer gelungenen Darstellung legt sie großen Wert
auf die Authentizität der Ereignisse. Durch ihre scharfe Beobachtungsgabe
erhält der Leser einen Eindruck der Lebensart und der Tradition der
Bewohner. Die historischen Fakten werden mit Quellenhinweisen belegt,
welche keinesfalls den Lesefluss stören. Der Roman bleibt spannend
und ergreifend. Wahre Begebenheiten wurden mit fiktiven Szenen und Dialogen
verbunden und ausgeschmückt.
So ist ein Buch entstanden, das die Geschehnisse ohne Schuldzuweisungen
betrachtet und den Leser berührt, aufmerksam macht und sogar schockiert.
"www.literaturkritik.de", im August 2003

Ein leises Buch, mit zunehmender Dauer immer lauter werdend
bis hin zum katastrophalen Ende. Berührend, aufklärend, intensive
Gefühle schildernd – und dieses alles in einer klaren, ungekünstelten
und sympathischen Sprache.
Ein wundervolles Buch für nachdenkliche Stunden – und immer
dabei: Hoffnung, Lebenswille sowie „positives Denken“, auch
wenn die Katastrophe nicht zu verhindern ist.
Reinhard Busse in "www.amazon.de", 27. Juli 2003
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