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Heinrich Pleticha
Heinrich Pleticha: Piaristen und Gymnasiasten - Schülerleben im alten
Prag
Der in Nordböhmen geborene Heinrich Pleticha hat
schon viel Segensreiches zur Vermittlung der mit den Menschen aus dem
Land verbannten deutschböhmischen Kultur geleistet. Nunmehr hat er
sich als Herausgeber eines besonders attraktiven Themas angenommen - des
verklungenen aber (noch) nicht vergessenen Schülerlebens im alten
Prag. Die goldene Stadt war nämlich nicht nur Universitätsstadt,
sondern auch eine der wichtigsten Schulstädte der Habsburger Monarchie
bzw. der ihr nachfolgenden Tschechoslowakei. Eine ganze Reihe nachmals
weltberühmter Persönlichkeiten drückten in Prag die harten
Schulbänke und erfuhren hier jene Ausrichtung, der sie dann später
in ihrem Werk Denkmäler setzten.
Das Herzstück der zu diesem Thema zusammengetragenen Texte bildet
die "Meyriade" des später bedeutenden Philosophen Oscar
Kraus.
Das Schülerepos war erstmals 1891 als Bändchen innerhalb der
Reclamschen Universalbibliothek erschienen - und wurde, neben preiswerten
Ausgaben von Goethes oder Schillers Werken, zu einem unerwarteten kommerziellen
Erfolg des Verlages, der über Jahrzehnte hinweg immer wieder nachdrucken
lassen mußte.
Bis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gab es kaum einen deutschböhmischen
Gymnasiasten, der die in der Meyriade verewigten Spitzbüberein nicht
mit glühenden Ohren gelesen, einzelne Passagen zitiert oder womöglich
gar den einen oder anderen Streich nachgeäfft hätte.
Spitzbübereien. In dem Bändchen "Piaristen und Gymnasiasten",
das nun als 40. Band der beim Prager Vitalis-Verlag erscheinenden "Bibliotheca
Bohemica" vorliegt, sind nicht nur die "Meyriade" und ihre
spätere Fortsetzung ("25. Gesang") erstmals seit dem Zweiten
Weltkrieg widergegeben, sondern auch Texte von Egon Erwin Kisch, Fritz
Mauthner und Franz Werfel zu einem Kompendium ehemaligen Schülerlebens
zusammengefaßt. Das wohlfeile Buch sollte in keinem gut sortierten
Bücherschrank fehlen!
"Die Brücke", am 15. März 2002

Wenig bekannt ist, daß die Universitätsstadt Prag bis zur Mitte
des vorigen Jahrhunderts auch eine bedeutende Stätte deutschen Schulwesens
war. Eine ganze Reihe nachmals berühmter Persönlichkeiten besuchte
Prager deutsche Gymnasien und erfuhr hier ihre Prägung . Heinrich
Pleticha hat einige der interessantesten Texte bekannter Autoren über
ihre Prager Schulzeit im vorliegenden Bändchen zusammengetragen,
wobei Kern- und Höhepunkt die 1891 entstandene, nach einem damals
in ganz Prag bekannten Gymnasialprofessor bennante, in Hexametern geschriebene
"Meyriade" des späteren Universitätsprofessors Oskar
Kraus bildet, die nach ihm noch manchen Schülergenerationen in Böhmen
Anleitungen zu Schülerstreichen gab. Texte von Fritz Mauthner, Franz
Werfel und Egon Erwin Kisch ergänzen diese höchst informative
und vergnügliche Schilderung deutschen Gymnasiallebens im Prag der
Vorkriegszeit.
"Nachrichten der Sudetendeutschen in Baden-Württemberg",
am 15. März 2002
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